Turnier bei Sonnenaufgang
Birkhahnbalz in der schwedischen Dalarna

Naturfotografen, die Ende April/Anfang Mai die großen, einsamen Hochmoore in der schwedischen Dalarna besuchen, können ein ganz besonderes Naturschauspiel beobachten: die Birkhahnbalz.
Früh muß man aufstehen, um vor Tau und Tag in einem rechtzeitig aufgebauten Versteck zu sein und sich dann vollkommen ruhig verhalten.
Im Morgengrauen erscheinen die ersten Hähne auf dem Balzplatz. Mit kräftigen Zischlauten geben sie ihre Ankunft bekannt. Dann beginnen sie sofort -die Flügel tief am Boden schleifend- mit kleinen Trippelschritten hin und her zu laufen. Dabei geben sie Laute von sich, die etwa so klingen:
„Kuluku -Lulluku -Kulluku“.
15 - 20 Hähne laufen auf  großen Balzplätzen in einem eng begrenzten Areal hin und her. Kommen sie sich an den Grenzen zu nahe nehmen sie eine Imponierhaltung ein. Zu zweit oder zu dritt laufen sie ein Stück parallel zur Grenze entlang. In solchen Augenblicken „kullern“ sie besonders laut und mit Luftsprüngen, bei denen sie zischende und fauchende Töne von sich geben, die wie „Tschu -huii, Tschu -huii“ klingen, versuchen sie, den Kontrahenten zur Umkehr zu bewegen.
Das alles vollzieht sich nach einem festgelegten „Ritual“, das wie jedes Balzverhalten zur psychischen Vorbereitung der Paarung dient.
Ist keiner der Kontrahenten bereit sich zurückzuziehen, kommt es zum Kampf. Plötzlich springt einer der kleinen schwarzen Ritter vor und teilt Schnabelhiebe aus. Die auffällige „Rose“ des Gegners ist sein Ziel. Doch dieser weicht aus und versucht sofort, den Angreifer noch im Sprung von oben zu erwischen. Der Kampf wogt hin und her. Auch Ständer und Schwingen werden als Waffe eingesetzt und nicht selten fliegen die Federn bei diesen Gefechten. Ernsthafte Verletzungen sind aber die Ausnahme.

Hennen, die auf dem Balzplatz erscheinen, versuchen immer schnell zu den Haupthähnen in der Mitte vorzudringen. Der auserwählte Hahn darf sie
werbend umkreisen und schließlich auch treten.
Das Wetter spielt eine wichtige Rolle bei der Balz  Wind und Regen lassen kaum Aktivität bei den Hähnen aufkommen. Sie finden sich zwar auf dem Balzplatz ein, aber erst wenn die Hennen erscheinen, werden sie so richtig munter.

In der Hochbalz - Ende April/Anfang Mai - können nicht einmal Fuchs und Habicht, die ärgsten Feinde der Birkhühner, die Zeremonie beenden. Zwar unterbrechen die Vögel kurz das Turnier und drücken sich an den Moorboden oder fliegen alle auf einen Schlag die nächsten Bäume an. Aber nach kurzer Zeit sind sie wieder da und setzen ihre Balz fort.
Die morgentliche Balz im Frühjahr dauert in der Regel  5 bis 6 Stunden. Wenn die Luft sich erwärmt hat, das ist meistens so gegen 10.00 Uhr, verstummen die Hähne und beginnen mit der Gefiederpflege. Nach dieser Prozedur streicht dann einer nach dem anderen ab.

Text & Fotos: Jürgen Schiersmann