Zeremoniell Suhle


Nicht nur wir Menschen ärgern uns in der heißen Jahreszeit über Fliegen und andere lästige Insekten. Nein, auch unsere Wildtiere sind mit diesem Problem konfrontiert.
Das Rotwild zum Beispiel löst es in Form von Schlammbädern in der Suhle.

Ende September war es wieder soweit: Die Hauptbrunft hat begonnen. Die Nächte werden kühler, und das tiefe Röhren des Königs der Wälder halt durch den Wald. An diese Stimmung denkend, werde ich sofort wieder an ein einmaliges Naturschauspiel erinnert, und es kommt mir vor, als hätte ich es gerade erlebt…

Vor Tag und Tau

Vor Tau und Tag bin ich mit meiner Fotoausrüstung losgezogen und habe meinen Platz am Rande eines kleinen Mischwaldes mit Blick auf den Brunftplatz eingenommen. Die Dunkelheit und eine mächtige Nebelwand versperren mir aber zunächst die Sicht auf den Ort des Geschehens. Das ständige tiefe Röhren des Platzhirsches lässt kalte Schauer über meinen Rücken laufen. Mehrere Stunden habe ich keine Möglichkeit, Aufnahmen vom Brunftgeschehen zu machen. Plötzlich übermannt mich die Müdigkeit, und ehe ich mich versehe , schlafe ich ein.

Die ersten Sonnenstrahlen haben den Erdboden bereits erreicht, als ich hellwach werde. Aus der Nebelwand, die immer noch über dem Brunftplatz liegt, tritt fast geräuschlos ein starker Hirsch heraus, vermutlich der Platzhirsch. Ein faszinierender Anblick. Der Hirsch verhält einen Moment, sichert kurz und zieht in einem Abstand von fünfzig Metern an mir vorbei in die Randzone eines kleinen Mischwaldes. Dort verhält er erneut.

Nur ein Schlammloch?

An erster Stelle steht für mich das Herrichten meiner Kamera. Als ich fertig bin, erkenne ich, dass der Hirsch in einer Senke mit feuchtem, schwarzem und schlammigem Boden steht. Einige Zeit verhält der Hirsch regungslos. Dann schlägt er mit den Vorderläufen in den schlammigen Boden. Plötzlich setzt sich der Kapitale mit einem Ruck in die Suhle und beginnt sich zu wälzen. Als Beobachter spürt man förmlich die Entspannung und wie er das erfrischende Gefühl genießt. Bald färbt sich sein Körper schwarz, ist mit zähem Schlamm überzogen. Nun setzt er sich auf, etwa eine Minute lang. Als es ihm nun scheinbar zu langweilig wird, wird er hoch, schüttelt sich die verschlammte Decke aus und bearbeitet anschließend mit seinem mächtigen Geweih aggressiv das verlassene Schlammloch sowie alle umliegenden Äste und Zweige, ehe er in Richtung Waldmitte zieht, bis ich ihn schließlich aus den Augen verliere.