Wildschwein -  Sus scrofa

In Gestalt und Aussehen ist das Wildschwein mit keiner anderen freilebenden Tierart Europas zu verwechseln. Seine Farbe schwankt zwischen braunrot, dunkelbraun und fast schwarz.
Wildschweine „suhlen“ sich ausgesprochen gern. Dieses Suhlen im Schlamm hat durchaus einen zweckmäßigen Hintergrund: Der getrocknete Schlamm auf dem borstigen Fell soll lästige Parasiten, z.B. Flöhen, Zecken und Mücken keine Angriffsfläche bieten.
Die Jungtiere, die auch „Frischlinge“ genannt werden, tragen eine charakteristische Längsstreifung.
Männliche Tiere, der Jäger nennt sie „Keiler“, fallen besonders durch die mit zunehmendem Alter immer weiter aus Unter-und Oberkiefer hervortretenden Eckzähne (Hauer) auf. Diese Hauer dienen nicht nur zum Kampf mit Rivalen, sondern auch zur Abwehr gegen Feinde.
Wildschweine sind sehr wehrhaft und in die Enge getrieben greifen sie blitzschnell an. Am gefährlichsten sind die Bachen, die junge „Frischlinge“ führen. Um sie sollte man einen großen Bogen machen, denn schon manch Wanderer und Beerenpflücker ist angegriffen und erheblich verletzt worden.
Natürliche Feinde braucht das Wildschwein in unseren Breiten nicht zu fürchten. Sie sind längst alle vom Menschen ausgerottet worden.
Auch dem Wildschwein wurde einst stark nachgestellt. Im 18. Und 19. Jahrhundert versuchte man mit allen Mitteln die Schwarzkittel aus der Wildbahn zu entfernen, so daß sie kaum noch anzutreffen waren. Erst in diesem Jahrhundert, mit einer neuen Einstellung zum Tier- und Naturschutz, ist von Ausrottung nicht mehr die Rede.

Wildschweine haben keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie bevorzugen feuchte Laub- und Mischwälder, die reichlich Eicheln und Bucheckern als Fraß spenden, sowie Nadelwälder, die Ruhe und Deckung bieten.
Wildschweine leben gesellig in Familienverbänden, die in der Jägersprache „Rotten“ genannt werden. Sie stecken tagsüber in Dickungen, in dichtem Gebüsch oder Röhricht. Gegen Abend wechseln sie von ihren Tageseinständen an den Waldrand auf die angrenzenden Kartoffel-Mais- und Haferfelder, wo sie bei ihrer Wühlarbeit nicht selten erheblichen Schaden anrichten, sehr zum Leidwesen der Bauern. Wildschweine zählt man zu den Allesfressern. Neben Bucheckern, Eicheln, Kräutern, Gräsern sowie Feldfrüchten aller Art fressen sie Würmer und viele andere Bodenkleintiere.
Mäuse und Ratten werden blitzschnell erbeutet und sogar Junghasen und Rehkitze, die sich an den Boden drücken, anstatt zu fliehen, bereichern ihren Speiseplan. Auch größere tote Tiere werden gern gefressen.

Die Paarungszeit, von den Jägern auch „Rauschzeit“ bezeichnet, fällt in die Monate November bis Januar. Nach einer Tragezeit von 130 Tagen bringt die Bache 6-12 Junge (Frischlinge) zur Welt.
Kurz vor der Geburt wühlt die Bache eine flache Mulde in den Boden, die sie mit weichem Pflanzenmaterial auspolstert und häufig mit Astwerk überdacht. Hier erwartet die Bache die Ankunft Ihrer Kinder. Etwa 3 Monate werden die Frischlinge gesäugt, dann nehmen sie feste Nahrung zu sich. Nach einem Jahr sind sie bereits ziemlich selbständig.
Wildschweine können in freier Wildbahn etwa 20 Jahre alt werden.

 

 

Text & Fotos: Jürgen Schiersmann